Herzlich willkommen bei Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) MdB!

Kolumne für CSU-Zeitung Juli/August 2004

 

Interview mit CSU-Zeitung                      20.07.04

Dr. Martin Mayer MdB, Siegertsbrunn

 Thema: Gentechnisch veränderte Pflanzen

 Redaktion: Herr Mayer, Sie haben sich vor einiger Zeit sehr nachdrücklich dafür eingesetzt, dass auch zukünftig in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP) angebaut werden dürfen. Wieso eigentlich? Niemand will so etwas essen.

 Dr. Martin Mayer MdB: In Deutschland geht es derzeit gar nicht um den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) für die Ernährung. Es geht vielmehr um Wissenschaft und Forschung und um den Erprobungsanbau, bei dem Erfahrungen mit Abstandsflächen zum konventionellen Anbau von Pflanzen gewonnen werden sollen.

 Redaktion: Die Forderung nach Abstandsflächen deutet auf Gefahren durch gentechnisch veränderte Pflanzen hin. Was sagen Sie dazu?

 Dr. Martin Mayer MdB: Es gibt alternativ wirtschaftende Betriebe - die Biobauern - die gentechnikfreie Erzeugnisse anbieten wollen. Diese müssen davor geschützt werden, dass durch Pollenflug auf ihren Äckern ungewollt gentechnisch veränderten Pflanzen wachsen. Wenn sie die Reinheit ihrer Produkte nicht mehr garantieren können, entsteht ihnen wirtschaftlicher Schaden. Den gilt es zu vermeiden oder zu ersetzen. Da der Pollenflug bei den einzelnen Kulturpflanzen in sehr unterschiedlicher Weise erfolgt, müssen für die Festlegung von Abstandsflächen erst Erfahrungen gesammelt werden. Nur auf Grund der Erfahrungen  im Erprobungsanbau von GVP kann es zu einem gedeihlichen Nebeneinander von alternativer Landwirtschaft und dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen kommen.

 Redaktion: Aber man hört immer wieder, dass gentechnisch veränderte Pflanzen Gefahren für die menschliche Gesundheit in sich bergen.

 Dr. Martin Mayer MdB: Das ist reine Spekulation. Natürlich können Nahrungsmittel von GVP ebenso Allergien hervorrufen, wie alle anderen Lebensmittel tierischer oder pflanzlicher Herkunft. Doch nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen lassen sich keine Anhaltspunkte für mögliche Schädigungen durch GVP finden. Gentechnisch veränderte Pflanzen die als Lebensmittel angeboten werden, müssen in Europa gekennzeichnet sein. Außerdem unterliegen sie einer Zulassungspflicht. Jeder einzelne genetisch veränderte Organismus wird hierbei Schritt für Schritt in jedem Nutzungsstadium überprüft. Das halte ich für wichtig, denn es muss gewährleistet sein, dass kein Schaden für die menschliche Gesundheit von GVP ausgehen kann.

 Redaktion: Wie erklären Sie sich dann die weit verbreitete Unsicherheit in der Bevölkerung? Umfrageergebnissen zu Folge stehen 70 % der Bevölkerung der Gentechnik kritisch oder ablehnend gegenüber.

 Dr. Martin Mayer MdB: Der Hauptgrund ist sicher die gezielte Panikmache seitens bestimmter Organisationen. Die Grünen beteiligen sich an diesen Angstkampagnen. Das hat man ganz deutlich an den Plakaten der Grünen zur Europawahl gesehen. Mit der Parole „Good Food statt Gen Food“ diffamieren sie GVP. Rotgrün macht den Bürgern zuerst Angst und instrumentalisiert diese Angst dann für ihre parteipolitischen Zwecke. Besonders skandalös empfinde ich es, wenn bestimmte Gruppen Versuchsfelder mit gentechnisch veränderten Pflanzen brutal verwüsten. Wo bleibt da der Protest der Grünen einschließlich ihrer Bundesminister?

 Redaktion: Und was sagen Sie zum Argument, GVP führen weltweit zu wachsender Abhängigkeit der Bauern von internationalen Konzernen?

 Dr. Martin Mayer MdB: Diese Gefahr besteht in der Tat. Wer allerdings den Anbau von GVP in Deutschland praktisch unmöglich macht, der fördert diese Entwicklung, weil es dann für die mehr als 100 mittelständischen Pflanzenzüchter in Deutschland noch schwieriger wird, sich im harten internationalen Wettbewerb zu behaupten. Im Übrigen haben neue Techniken – wie die Beispiele von Auto oder Computer zeigen – immer Veränderungen von Strukturen mit sich gebracht. Nur wer sich rechtzeitig auf eine neue Technik einstellt und diese mitgestaltet, kann auch die Probleme des Wandels vernünftig bewältigen. 

 Redaktion: Wo liegen denn nun die Vorteile des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen?

 Dr. Martin Mayer MdB: Die Vorteile sind vielfältig. Es gibt beispielsweise eine gentechnisch veränderte Maissorte, die vom Maiszünsler, einem gefährlichem Schädling, nicht befallen wird. Mit Recht kann man deshalb eine  spürbare Entlastung der Umwelt durch die Reduktion von chemischen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft erwarten. Ein weiterer Anwendungsbereich  ist die Erzeugung von speziellen pflanzlichen Rohstoffen für die Industrie. Schließlich gibt es Ansätze für die Erzeugung von ernährungsphysiologisch verbesserten Nahrungsmitteln, die zur Krankheitsprävention genutzt werden können bis hin zu Anwendungen im medizinischen Bereich. Allerdings sind in den meisten Fällen noch viele Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit notwendig.

 Redaktion: Also ist das alles nur Zukunftsmusik. Warum sollen wir dann jetzt gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen?

 Dr. Martin Mayer MdB: Es geht in der Tat um die Zukunft. Mit GVP kann man besser verstehen, wie der Weg von den Genen zu Eigenschaften von Pflanzen geht. Die Forschung wird Pflanzen mit neuen Qualitäten finden und entwickeln aber auch die Grenzen der neuen Verfahren ausloten. Nur so können wir in späteren Jahren  wirtschaftlichen Nutzen aus der neuen Technik ziehen und die Voraussetzung für neue Arbeitsplätze bei uns schaffen. Der Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Prof. Hacker aus Würzburg hat zu dem vor kurzem von der rotgrünen Koalition in Berlin verabschiedeten Gesetzentwurf gesagt:  „Sollte diese Haftungsregelung in Kraft treten, würde die faktische Innovation auf dem Gebiet der Grünen Gentechnik darin bestehen, dass diese Arbeiten künftig außerhalb Deutschlands stattfinden.“

 Redaktion: Welche Folgen hätte das für uns in Deutschland?

 Dr. Martin Mayer MdB: Damit würde sich wiederholen, was bereits bei der Roten Gentechnik also der Herstellung von Arzneimitteln mittels gentechnisch veränderter Organismen geschehen ist. Durch den von den Grünen geschürten öffentlichen Widerstand gegen diese Technik verlor Deutschland seine weltweit führende Rolle als Pharmastandort. Eine solche Entwicklung darf sich nicht wiederholen. Den rotgrünen Zukunftsblockierern muss deshalb das Handwerk gelegt werden, damit auch unsere Kinder und Enkel in Deutschland Arbeit finden und in Wohlstand und sozialer Sicherheit leben können.   

 Redaktion: Danke für das Gespräch!

 

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© pawlik; 5.8.2004