Herzlich willkommen bei Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) MdB !


Rede vor der FH Bund am 19. April 1999 in Brühl:

Thesen zu künftigen Ausbildungsschwerpunkten im Medienzeitalter

Meine Thesen stützen sich auf die Ergebnisse der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Zukunft der Medien - Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft", die im ver-gangenen Sommer ihren Schlußbericht vorgelegt hat. In dieser Enquete-Kommission war ich der Verantwortliche der damaligen Regierungsfraktion, der CDU/CSU.

Wer die Ausbildung fit für die Zukunft machen will, muß zunächst die Frage stellen:
* "Wie wird sich die Welt durch die neuen Medien verändern?"

Daran schließt sich die zweite Frage an:
* "Welchen Weg wird der Staat im Informationszeitalter gehen?"

Die dritte und Kernfrage lautet dann:
* "Welche Folgerungen ergeben sich mit dem Übergang in die Wissensgesellschaft für den Bildungsbereich?"

Zu jeder der aufgeworfenen Fragen werde ich drei Thesen vortragen.

1. Neue Medien beschleunigen Globalisierung
- gilt für immer mehr Dienstleistungen
- weltweites Handeln von Unternehmen und Bürgern
- verschärfter Wettbewerb auch zwischen Staaten und Kulturen
- wachsende Bedeutung kultureller, politischer und sozialer Rahmenbedingungen

2. Wandel der Wirtschaftsstrukturen
- weltweite Zusammenschlüsse von Unternehmen
- Ausgliederungen und Entflechtungen
- Aufgabenbezogene Kooperationen, auch von Wettbewerbern
- Parallel-Entwicklung bei kleinen Unternehmen und Freiberuflern

3. Neue Formen der Erwerbsarbeit
- folgen veränderten Wirtschaftsstrukturen
- Änderungen der traditionellen Arbeitsverhältnisse
- Unschärfere Grenze: Selbständige - abhängig Beschäftigte
- Mehr Eigenverantwortung und Beweglichkeit für Arbeitnehmer

4. Veränderung des Staatswesens
- verstärkte allgemeine und aufgabenbezogene internationale Kooperation
- veränderte Aufgaben der Nationalstaaten
- politische Gestaltung
- Rechtswesen
- Neue Möglichkeiten der Kooperation zwischen allen Ebenen
- Rückwirkung auf Parlamente, Regierungen und Verwaltungen

5. Innerstaatliche Aufgaben und Organisation
- Effizienzsteigerung und neue Gestaltungsspielräume
- Tendenz zur Privatisierung von Aufgaben
- Konzentration auf Kernaufgaben wie Sicherheit und Rechtspflege
- Neue Abhängigkeit und Verwundbarkeit bei vernetzten Computern
- Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft, Konflikte mit Monopolisten

6. Bürgerfreundliche Verwaltung
- Veränderung in der Kommunikation
- Wachsendes Informationsangebot im Internet
- Information aus einer Hand
- Interaktivität erleichtert Bürgerbeteiligung
- Sicherheit und allgemeiner Zugang als Voraussetzung für elektronische Wahlen und Abstimmungen

7. Medienkompetenz ist lebensnotwendig
- elementare Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben
- Wissensmanagement als Schlüssel für beruflichen Werdegang
- Neue Lernformen und neue Berufe
- Gewichtsverlagerung von der Erstausbildung zur Weiterbildung

8. Kultureller Wandel
- von der Schrift zurück zum Bild
- neue Darstellungsformen
- Vordringen der englischen Sprache
- neue Fremdwörter im deutschen Sprachgebrauch
- Bedeutung für berufliche Positionen

9. Globalisierung der Bildung
- internationaler Bildungswettbewerb
- Bildung als wachsender Wirtschaftsfaktor
- Bildungsangebote weniger orts- und zeitabhängig
- wachsende Angebotsfülle

Schlußbemerkung:
Dem Wunsch nach konkreten Folgerungen aus den Thesen will ich abschließend mit einem Beispiel zum Berufsweg mit seinen Auswirkungen auf die Studienangebote entgegen-kommen.
Wenn jemand die Frage stellt: "Soll ich Informatik oder Geographie studieren?", dann lautet meine erste Antwort: Gehen Sie Ihren Neigungen nach. Als zweites sage ich: Der künftige Bedarf ist ohnehin schwer einzuschätzen. Eines steht aber fest: Im Informationszeitalter wird die Aufbereitung von Inhalten an Bedeutung gewinnen. Dazu ein Beispiel: Es gibt eine unermessliche Fülle von geographischen Daten. Die große Aufgabe lautet, sie für die verschiedensten Zwecke nutzbar zu machen. Der Geograph muß sich dazu im Netz so bewegen können und auskennen wie beispielsweise jetzt mit dem Auto auf der Straße. Es geht nicht um die Kenntnis der technischen Details. Vielmehr geht es um die Kenntnis der Möglichkeiten des Systems und wie ich sie für den eigenen beruflichen und persönlichen Bedarf nutzen kann.


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© pawlik; 29. Sept. 1999