Herzlich willkommen bei Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) MdB!

 

Abschnitt zum Bereich embryonale Stammzellen

aus dem Bundestags-Protokoll 14/205 - Rede des bildungs- und forschungspolitischen Sprechers der CSU-Landesgruppe Dr. Martin Mayer im Plenum des Deutschen Bundestags zur Verabschiedung des Bundeshaushalts 2002, Einzelplan 30 (Bildung und Forschung), am 29. November 2001

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Ich möchte heute in erster Linie über die Forschung sprechen, und zwar über ein Thema, das viele von uns aufwühlt, nämlich die Forschung an embryonalen Stammzellen. Die Nachricht aus den USA über das Klonen menschlicher Zellen hat erneut erschreckt. Ich will aber nicht über das Klonen, sondern über die Stammzellen forschung, über die der Deutsche Bundestag bald eine Entscheidung treffen muss, sprechen.

Das Europäische Parlament hat mittlerweile mit Mehrheit entschieden, dass die Mittel aus dem 6. Forschungsrahmenprogramm auch für die Forschung an embryo nalen Stammzellen des Menschen verwendet werden dürfen, sofern die Rechtslage der Mitgliedstaaten das zulässt. Die Fragen, was der Mensch darf und was Forscher dürfen, müssen nun auch in Deutschland gestellt und beantwortet werden.

Für die CDU/CSU kann ich zu diesem Thema eines vorwegstellen: Der Schutz der Menschenwürde und des menschlichen Lebens hat für uns höchsten Stellenwert. Was die Forscher dürfen, hängt entscheidend davon ab, ob der frühe Embryo bereits ab der Befruchtung oder erst ab der Einnistung eine menschliche Person im Sinne von Art. 1 des Grundgesetzes ist.

(Jörg Tauss [SPD]: Das diskutieren wir im Januar! - Siegfried Scheffler [SPD]: Sagen Sie das für die Fraktion oder für sich?)

- Ich spreche für mich.

(Zurufe von der SPD: Ah!)

Wenn ich für meine Fraktion spreche, spreche ich für meine Fraktion. Wenn ich für mich spreche, mache ich das deutlich.

Ich neige nach reiflicher Abwägung mehr zur zweiten Möglichkeit, nämlich zur Einnistung, weil der Mensch mehr ist als die Summe seiner Gene, weil kein Mensch oder kein Embryo ohne seine Mutter zum Mensch werden kann und erst mit der Einnistung des Embryos die Entwicklung zum Menschen unumkehrbar wird.

Die Entscheidung über die Frage, wann der Embryo eine menschliche Person ist und welche Folgerungen daraus zu ziehen sind, wird jedes Mitglied des Deutschen Bundestags hier in eigener Abwägung treffen müssen. Bei dieser Entscheidung spielt für viele auch eine Rolle, welche Haltung die Kirchen einnehmen. Ich habe mich sehr eingehend mit der Haltung der katholischen Kirche auseinander gesetzt, weil ich selbst dieser Kirche angehöre. Die katholische Kirche stellt sich auf den Standpunkt, bereits die befruchtete Eizelle sei eine menschliche Person; ihr müsse deshalb der volle Schutz nach Art. 1 des Grundgesetzes zukommen. Deshalb müsse die Forschung an embryonalen Stammzellen verboten werden.

Nun hat die Kirche ohne den geringsten Zweifel den Auftrag und die Verpflichtung, Hilflosen und Schwachen, zu denen auch die Ungeborenen gehören, zu helfen. Dieser Auftrag ergibt sich aus dem Evangelium. Bei der Frage jedoch, ob der Embryo bereits ab der Befruchtung oder erst bei der Einnistung eine Person ist, hat sie nicht die gleiche Autorität; denn die Antwort hierzu kann nicht aus dem Evangelium abgeleitet werden. Hier muss die Kirche mit der Kraft ihrer Argumente überzeugen. Ich kann meine Kirche nur inständig bitten und beschwören, dass sie in dieser Frage auch auf die beiden Theologen Professor Gründel und Professor Kummer hört, die eine etwas andere Auffassung vertreten als die Kirche selbst.

Die Feststellung, wann ein Embryo ein Mensch ist, ist im Übrigen eine Setzung durch den Menschen. Die jahrhundertelange Diskussion in der katholischen Kirche über die Beseelung des Menschen ist ein Beweis dafür, dass diese Setzung von den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen abhängig ist. Im Lichte der neuen biomedizinischen Erkenntnisse muss die Argumentation deshalb dringend überprüft werden. Das gilt übrigens auch für die Aussagen von Verfassungsjuristen aus den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die weltweite Forschung an embryonalen Stammzellen - das ist eine wichtige Forschungsfrage - kann in der biomedizinischen Forschung zu einem Durchbruch füh ren. So mancher, der uns heute dazu drängt, diese Forschung zu verbieten, wird uns, wenn irgendwo der Durchbruch gelingt, in den USA, in Großbritannien, in Israel, in Australien, in Indien, in Schweden und vie len ande ren Ländern, wo diese Forschung erlaubt ist, den Vorwurf
machen, dass wir nicht rechtzeitig erkannt haben, was in dieser Frage an Potenzial steckt.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)

Frau Bundesministerin, man kann feststellen, dass die Bundesregierung in dieser Frage handlungsunfähig ist
- das gilt auch für viele andere Fragen - und keine eigene Mehrheit hat.

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© Pawlik; 13. Dez. 2001