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Antwortbrief an Kardinal Lehmann, Deutsche Bischofskonferenz zur Forschung an embryonalen Stammzellen (1.2.2002)

An den Vorsitzenden der Deutschen Bichofskonferenz, Herrn Karl Kardinal Lehmann,
Bonner Talweg 177, 53129 Bonn

 

Betreff: Stammzellenforschung
Ihr Brief vom 14. Januar 2002
Anlage: Plenarprotokoll 14/214 vom 30.1.2002, Seite 21219

Sehr geehrter Kardinal Lehmann,

für Ihren oben genannten Brief danke ich Ihnen sehr.

Die Entscheidung ist mittlerweile gefallen. Ich möchte Ihnen aber dennoch antworten.

Ihre Auffassung, dass die notwendige Auseinandersetzung über die verschiedenen Positionen im wechselseitigem Respekt und in Achtung vor der jeweils anderen Überzeugung erfolgen muss, teile ich uneingeschränkt. Ich glaube, dass die Debatte im Deutschen Bundestag auch von diesem Geist getragen war.

Mit der Forschung an embryonalen Stammzellen und allen damit zusammenhängenden naturwissenschaftlichen und ethischen Fragen habe ich mich als forschungspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag in den letzten Monaten sehr eingehend befasst. Ich möchte deshalb zu den einzelnen Punkten wie folgt Stellung nehmen:

Bei der Befruchtung außerhalb des Körpers ist dem Embryo und seinen Vorstufen bis hin zu den Keimzellen der Eltern uneingeschränkter Schutz zu gewähren, so lange die Chance besteht, dass aus den Vorstufen oder dem Embryo ein Mensch werden kann. Embryonen, die keine Chance mehr haben, zur Einnistung zu gelangen, kann nicht der gleiche Schutz zukommen. Diese Embryonen sind nach meiner Auffassung keine menschlichen Personen, das heißt keine Menschen mit Leib und Seele, und fallen deshalb auch nicht unter den Schutz des Artikel 1 Grundgesetz. Die Personenwürde kann nach meiner Auffassung dem Menschen frühestens mit der Einnistung, das heißt der biologischen Annahme durch seine Mutter zuerkannt werden. Alle Begründungen, die dem Embryo bereits bei der vollzogenen Befruchtung Personenwürde zuerkennen, stehen nach meiner Auffassung auf sehr schwankendem Boden.

Auch die Deutsche Bischofskonferenz sagt in "Der Mensch sein eigener Schöpfer?", dass "der Mensch mehr ist als die Summe seiner Gene". Daraus folgt im Umkehrschluss, dass eine befruchtete Eizelle, deren einzige Ähnlichkeit mit einem Menschen die Gene sind, kein Mensch mit Leib und Seele sein kann.

Wie Sie wissen, werden in Deutschland zahlreiche Kinder aufgrund der In-Vitro-Fertilisation (IVF) geboren. Diese Methode ermöglicht Paaren, die sonst kinderlos bleiben müssten, in bestimmten Fällen Kinder zu bekommen. Für die Entwicklung dieser Methode sind im Ausland Versuche an Embryonen durchgeführt worden, die auch zur Tötung geführt haben.

Ich finde es einen unhaltbaren Zustand, wenn wir in Deutschland zwar medizinische Methoden anwenden, aber die Forschung im Ausland, die zu diesen Methoden geführt hat, verdammen.

Das gilt auch für künftige Ergebnisse aus der Forschung an embryonalen Stammzellen des Menschen, die zur Entwicklung von Methoden zur Linderung schwerer und bisher unheilbarer Krankheiten wie Diabetes und Multiple Sklerose führen können.

Die Annahme, dass Deutschland in der Frage der Stammzellenforschung den Rest der Welt überzeugen könnte, ist in meinen Augen unrealistisch. Allerdings teile ich Ihre Auffassung, dass die Forschung an adulten Stammzellen deutlich verstärkt werden muss, weil aller Voraussicht nach für die Therapie die adulten Stammzellen größere Chancen bieten. Von der Forschung an embryonalen Stammzellen wird erwartet, dass sie das Grundlagenwissen schafft, das zur späteren Therapie mit adulten Stammzellen Voraussetzung ist.

Im Ergebnis bin ich zur Auffassung gelangt, dass der Import von menschlichen embryonalen Stammzellen nach Deutschland unter strengen Auflagen erlaubt werden muss. Deshalb habe ich auch den Antrag Böhmer, Renesse, Fischer, Seehofer u.a., Drucksache 14/8102 mit unterstützt.

Da Ihr Brief veröffentlich worden ist, werde ich meine Antwort ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Martin Mayer MdB

 

Seite 1 und Seite 2 des Briefes von Kardinal Lehmann vom 14. Januar 2002

Rede Dr. Martin Mayer im Deutschen Bundestag zum Antrag Forschung an embryonalen Stammzellen am 30.1.2002

Zur Information Wortlaut des Antrages Drucksache 14/8102

 

 

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