Herzlich willkommen bei Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) MdB !

Rede im Plenum des Deutschen Bundestages
15. Wahlperiode, Plenarprotokoll 15/108,  Donnerstag, 6.5.2004 zum TA-Projekt Nanotechnologie

Tagesordnung Punkt 6: Technikfolgenabschätzung

hier: TA-Projekt – Nanotechnologie
(Drucksache 15/2713)

 

Das Wort hat der Kollege Dr. Martin Mayer, CDU/ CSU-Fraktion.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) (CDU/CSU):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn man einmal von der üblichen Polemik der Bundesministerin gegenüber der Union und der FDP und Ihren Propagandareden absieht,

(Widerspruch bei der SPD)

dann kann man wohl feststellen, dass es in der Frage der Nanotechnologie auch eine Menge an Übereinstimmung gibt.

(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt!)

Es gibt einen hervorragenden Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung. Es herrscht auch überall eine gewisse Faszination über das, was Physiker, Chemiker, Biologen und Mediziner herausfinden, wenn sie in eine immer kleinere Welt vordringen. Es ist faszinierend, wie diese Welt der Atome und Moleküle neue Möglichkeiten eröffnet. Die relative Zunahme der Oberfläche der kleinsten Teilchen im Vergleich zur Masse eröffnet viele neue Möglichkeiten. Viele neue Werkzeuge und Werkstoffe sind möglich. Die Hoffnungen und Visionen, die in diese Technik gesetzt werden, sind außergewöhnlich.

Die CDU/CSU-Fraktion hat mit ihrem Antrag bei diesem wichtigen Zukunftsthema eine Vorreiterrolle übernommen. Es ist offensichtlich, dass die übrigen Fraktionen

(Ulrike Flach [FDP]: Das war jetzt aber mutig!)

– diese hat sie wohl übernommen – nachgezogen haben und wir uns untereinander einig sind, dass das ein wichtiges Zukunftsthema ist. Allerdings tut die Bundesregierung zu wenig. So hat sogar der forschungspolitische Sprecher der Grünen erst vor zwei Monaten die Initiative „Nanotechnologie erobert die Märkte“ des Bundesforschungsministeriums als zu eng gefasst bezeichnet. Sie greife nicht die Chancen auf und lasse die notwendige Interdisziplinarität vermissen.

(Wolfgang Zöller [CDU/CSU]: Dazwischen liegen ja schon wieder zwei Monate!)

Dem kann man nur zustimmen, wenn selbst die eigenen Leute so etwas sagen.

Bei einem Vergleich mit den USA muss man außerdem feststellen: Leider fehlen der Bundesregierung auch in diesem Bereich die notwendigen Mittel. Von der Verdoppelung der Ausgaben für die Forschung – einst ein Wahlkampfversprechen – ist nichts mehr zu hören.

(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der SPD: Nicht polemisch werden!)

Das ist schon lange vergessen. Jetzt hören wir vom Bundeswirtschaftsminister, dass er selbst die Besitzer kleiner Sparvermögen zur Kasse bitten will,

(Ulla Burchardt [SPD]: Herr Mayer, Sie haben so gut angefangen!)

um die Forschungsmittel nicht kürzen zu müssen. Ich finde, das ist ein jämmerlicher Beitrag, den er zu dieser Frage geliefert hat.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Es gibt bereits jetzt eine Reihe von praktischen Anwendungen der Nanotechnologie: in der Mikroelektronik, in der Oberflächenbeschichtung und auch in anderen Bereichen. Im Vergleich zu den potenziellen Möglichkeiten bewegen sich die derzeitigen Anwendungen allerdings noch in engen Grenzen. Wenn man den TAB-Bericht zur Nanotechnologie aufmerksam liest, fällt nämlich auf, dass zur Anwendung häufig Begriffe wie „in Entwicklung“, „bedeutendes Potenzial“ oder „dass es künftig gelingt“ verwendet werden. Vieles ist heute noch Vision und Hoffnung. Es ist erfreulich, wenn SPD und Grüne die Auffassung teilen, dass diese Hoffnungen Wirklichkeit werden sollen. Allerdings wird man angesichts der Euphorie der Koalitionsabgeordneten beim Thema Nanotechnologie an frühere Reden von SPD-Abgeordneten zur Kerntechnik erinnert. Damals glaubte man, dass man mit der Kerntechnik alles Mögliche erreichen könne. Solange die Anwendung noch weit weg ist, kennt bei Ihnen die Begeisterung keine Grenzen. Aber je näher eine breite Anwendung rückt, desto mehr gewinnen bei Ihnen die Bedenken die Oberhand.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei Ihnen fehlt ja noch der Lernprozess!)

Bei der Entwicklung und Anwendung der Nanotechnologie geht es um eine Reise in unbekanntes Land. Wie bei Christoph Kolumbus ist das Ziel in vielen Bereichen klar definiert. Ob wir allerdings dort ankommen, wo wir hinwollen, ist ungewiss. Wie damals in der christlichen Seefahrt funktioniert auch die Anwendung neuer Techniken nicht ohne Gefahren für die Umwelt, die wir ernst nehmen müssen, insbesondere wenn die Anwendung ein größeres Ausmaß annimmt.

Es gibt aber mittlerweile Horrorszenarien, die sehr spekulativ sind. Darin wird zum Beispiel dargestellt, dass sich selbst vermehrende Nanomaschinen die Biowelt zerstören könnten. Man kann jetzt darauf warten, dass die Grünen diese Horrorszenarien aufgreifen und sich ihre Begeisterung in Gegnerschaft wandelt.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/ CSU – Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Keine Angst!)

Wir von der Union jedenfalls werden gegenüber der Nanotechnologie ebenso wie gegenüber anderen neuen Techniken eine nüchterne, zukunftsorientierte Haltung einnehmen. Wir setzen bei der Nanotechnologie ebenso wie bei der Kerntechnik und der Biotechnik auf Risikominimierung und Nutzung der Chancen. Deutschland muss in Forschung und Anwendung der Nanotechnologie eine Spitzenstellung einnehmen. Dafür sollten wir uns gemeinsam einsetzen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

 

Hierzu Antrag im Bundestag: Nanotechnologische Forschung und Anwendung in Deutschland stärken, Dr. Mayer einer der Antragsteller der CDU/CSU-Fraktion (pdf)

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 pawlik 12. Mai 2004