Herzlich willkommen bei Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) MdB!



Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Simone Probst MdB, im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit am 7.10.99 zu den schriftlichen Fragen vom 30.9.99:

Sehr geehrter Herr Kollege,

Ihre Schriftlichen Fragen

Frage 9/255: Welche Ökobilanzen über die gesamte Lebensdauer von Solarstrom-Anlagen mit genauer Analyse aller Umweltauswirkungen (Treibhauseffekt, Ressourcenverbrauch, Öko- und Humantoxizität, Recyclingfähigkeit, Versauerung, Eutrophierung, Sommersmog, Ozonabbau u.a.) sind der Bundesregierung bekannt?

Frage 9/256: Beabsichtigt die Bundesregierung, durch weitere Forschungsvorhaben die Kenntnis über die Ökobilanzen verschiedener Solarstrom-Anlagen zu verbessern?

Frage 9/257: Wie beurteilt die Bundesregierung selbst die Ökobilanzen über die gesamte Lebensdauer von Solarstrom-Anlagen, die im 100.000 Dächer Solarstrom-Programm gefördert werden?

Frage 9/258: Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die staatliche Förderung weder in Einzelfällen noch in der Gesamtheit zu einer Verschlechterung der Ökobilanz führt?

vom 30. September 1999 werden wie folgt zusammen beantwortet:

Der Bundesregierung sind eine Reihe von Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit von Photovoltaikanlagen (PV) bekannt, zumal einige in ihrem Auftrag erstellt worden sind. So wurden z.B. vom Forschungszentrum Jülich sowie vom Fraunhofer Institut für Festkörpertechnologie, München, entsprechende Untersuchungen durchgeführt und spezifische Anregungen zur Weiterentwicklung der Solarzellentechnik unter Umweltgesichtspunkten erarbeitet. Dabei stehen Fragen der Produktion der Photovoltaikanlagen sowie deren Recyclingmöglichkeit im Vordergrund. Die Ergebnisse dieser Arbeiten finden ihren Niederschlag z.B. beim Bau neuer Produktionsstätten für PV-Anlagen. Die Bundesregierung wird sich auch in Zukunft den Fragen des Umweltschutzes bei der Solarstromerzeugung und generell dem Ausbau der erneuerbaren Energien widmen.

Von besonderer Bedeutung ist der positive Beitrag zum Klimaschutz und zur Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung. Heutige PV-Anlagen mit kristallinem Silizium als Basismaterial haben in unseren Breiten energetische Amortisationszeiten von 5-7 Jahren; ihre Lebensdauer ist etwa 3fach höher. D.h., dass PV-Anlagen derzeit nach 5-7 Jahren Betrieb die Energie hereingespielt haben, die zu ihrer Produktion und Installation erforderlich gewesen ist; danach erwirtschaften diese Anlagen zusätzlichen elektrischen Strom und tragen somit bereits heute zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung bei. Die spezifischen Treibhausgas-Emissionen (CO2-Äquivalent in kg pro erzeugter kWh Strom) von Photovoltaik-Anlagen liegen derzeit zwar noch etwa um einen Faktor 10 über denen von Wind- und Wasserkraftwerken, betragen aber nur etwa ein Viertel von Steinkohlekraftwerken bzw. die Hälfte von Erdgas-GuD-Anlagen. Man erwartet durch weitere Fortschritte in der Fertigungs- und Solarzellentechnologie eine Verringerung der energetischen Amortisationszeit auf 1-3 Jahre sowie eine Verlängerung der Betriebsdauer, so dass der sog. "Erntefaktor" der PV-Technik noch erheblich verbessert werden dürfte.

Durch die Unterstützung der Errichtung neuer PV-Produktionsanlagen durch FuE-Mittel sowie der Investitionen zur Installation solcher Anlagen im Rahmen des 100.000 Dächer-Solarstromprogramms eröffnet die Bundesregierung die Perspektive zur Innovation im Solarstrombereich mit dem Ziel der weiteren Verbesserung der energetischen Effizienz und der Berücksichtigung weiterer Umweltanliegen wie Minimierung von Schadstoffemissionen bei der Produktion sowie Recyclingfähigkeit der Produkte. Sie sieht daher im 100.000 Dächer-Solarstromprogramm einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung dieser Technik auch unter ökologischen Gesichtspunkten. Dazu trägt auch die Bedingung bei, dass der Restschuldenerlass nach 10 Jahren an den Nachweis des ordnungsgemäßen Betriebs der PV-Anlage geknüpft wird.

 

Simone Probst



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© pawlik; 14. Okt. 1999