Herzlich willkommen bei Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) MdB!

Pressemitteilung, Berlin, 9. Dezember 2003

Zur Anhörung "Neue Entwicklungen in der Stammzellenforschung" der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Ethik und Recht der modernen Medizin" am 8. Dezember 2003:

 Mayer: Forschung an menschlichen ES-Zellen erlauben

Stammzellen- und Embryonenschutzgesetz müssen geändert werden.

 Die biomedizinische Forschung an embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) des Menschen ist entscheidende Voraussetzung für die Gewinnung weiterer Erkenntnisse zur Heilung bisher unheilbarer Krankheiten. Deutschland darf auf diesem Gebiet nicht zum Entwicklungsland werden. Deshalb müssen die gravierenden Einschränkungen der Forschung an embryonalen Stammzellen des Menschen in Deutschland aufgehoben werden.

 Embryonale Stammzellen für die Forschung werden aus Stammzelllinien gewonnen. Diese theoretisch unbegrenzt lebensfähigen Zellkulturen stammen aus etwa vier Tage alten so genannten überzähligen Embryonen. "Überzählige" Embryonen entwickeln sich aus befruchteten Eizellen außerhalb des menschlichen Körpers, die bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) nicht zur Einpflanzung gelangen können. Sie haben nach den tatsächlichen Verhältnissen und nach der deutschen Rechtslage nicht die geringste Chance, ein Mensch zu werden. Sie müssen deshalb absterben – wenn sie nicht auf Dauer in eingefrorenem Zustand aufbewahrt werden. Die Gegner der Forschung an menschlichen ES-Zellen betrachten bereits diesen frühen Embryo als menschliche Person, die keineswegs für die Forschung verwendet werden dürfe.

 Die Befürworter der Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen - zu denen ich gehöre - sind dagegen der Ansicht, dass personale Würde dem menschlichen Embryo frühestens dann zukommt, wenn dieser sich ohne weiteres menschliches Zutun als Mensch entwickeln kann. Das ist bei der IVF frühestens ab der Einbringung des Embryos in die Gebärmutter der Fall. Die personale Würde eines Embryos ergibt sich erst aus seiner Identität mit dem Entwicklungsziel als Mensch. Nicht die genetische Ausstattung begründet die persönliche Würde des Embryos, sondern seine autonome Entwicklungsmöglichkeit als Mensch. Die "überzähligen" Embryonen sind daher keine Menschen mit personaler Würde. Deshalb muss in Abwägung von der Schutzverpflichtung gegenüber dem Embryo im Reagenzglas in seinem frühesten Stadium und dem Forschungsziel, nämlich der Hilfe für kranke Menschen, die Gewinnung von embryonalen Stammzellen aus "überzähligen" Embryonen erlaubt sein.

 Zur Klarstellung: Befruchtete Eizellen und Embryonen außerhalb des Körpers, bei denen auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass sie sich als Mensch entwickeln können, müssen weiterhin strengsten Schutz genießen.

 

 

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© pawlik; 11. Dez. 2003